1:5 – Borussia wie die Bayern in Frankfurt, nur besser

Bittere Niederlage beim TuS Herrensohr / Gelb-rote Karte und Ruschmann-Freistoßtor die Knackpunkte / Chancenverwertung und leichte Ballverluste die Problemzonen

Unser Bild: Trotz 1:5 – auch Borussia hatte zahlreiche Chancen wie hier Daniel Schlicker bei einem Kopfballversuch im TuS-Strafraum. (Foto: Rainer Hoffmann)

Herrensohr bleibt für die Borussia schwieriges Terrain. Auch im dritten Gastspiel im Saarbrücker Vorort „Kaltnaggisch“ blieben die Schützlinge von Björn Klos sieglos, die letzten drei Saarlandligaspiele gegen den TuS gingen allesamt verloren. Dass die Borussen aber beim Abpfiff mit 1:5 derart „kalt“ und „naggisch“ dastanden, wird der Leistung insgesamt nicht gerecht. Das meinen auch die Kommentatoren auf Borussias facebook-Seite: „Bis zu dieser dummen gelb-roten Karte waren wir das bessere Team und mussten bereits 3:0 führen“ und „Ich fand´, das Spiel der Borussia war gar nicht so schlecht. Hört sich natürlich blöd an bei 1:5“, steht da zu lesen. Ins gleiche Horn bläst der fupa.net-Liveticker von Axel Bastian, der den Borussen bescheinigte, zumindest in der ersten Halbzeit „spielbestimmend“ gewesen zu sein; man habe es allerdings versäumt, die zahlreichen Möglichkeiten zur Führung zu nutzen.

„Das trifft den Verlauf der Partie ziemlich gut“, stellt denn auch Björn Klos fest, den es natürlich nicht trösten konnte, dass es in der Bundesliga der FC Bayern in Frankfurt – nach gelb-roter Karte ebenfalls in Unterzahl – mit dem gleichen Ergebnis untergegangen war. Zumal sich die Borussen in Herrensohr deutlich besser verkauften als der deutsche Rekordmeister bei seinem reichlich desaströsen Auftritt in der hessischen Metropole. Zwei Knackpunkte hatte der Borussen-Coach ausgemacht, die den Ausgang der Partie auf dem TuS-Gelände wesentlich beeinflussten: „Zum einen die völlig überflüssige gelb-rote Karte für Julian Flammann. Zum anderen der ebenfalls unnötige Freistoß, der nur wenige Minuten nach unserem zwischenzeitlichen Ausgleich schnell wieder zum erneuten Rückstand führte.“ Was war da passiert? Zunächst hatte Julian Flammann, der nach 35 Minuten nach einem Foul an der Mittellinie den gelben Karton gesehen hatte, die Kontrolle über sich selbst verloren, als er nach einem Ballverlust verärgert nicht nur das Leder wegdrosch, sondern auch aus dem Trikot schlüpfte – für Schiedsrichterin Maria Steinmann-Scholz Grund genug, Borussias Mittelfeldakteur vorzeitig zum Duschen zu schicken (37.). Eine Entscheidung, die Björn Klos nicht anfocht: „Durchaus berechtigt. Julian ist da ausgetickt und hat der Mannschaft einen Bärendienst erwiesen.“ Vor der Freistoßstärke der Gastgeber hatte Björn Klos seine Jungs allerdings schon in der Vorbereitung gewarnt: „Wir wussten, dass sie bei Standards aus dieser Entfernung von links wie rechts mit Marc Hümbert und Daniel Ruschmann zwei ausgesprochene Spezialisten haben. Deshalb wollten wir solche Situationen eigentlich unbedingt vermeiden.“ Doch nach einem Foul von Tim Braun in der gefährlichen Zone kam es dann, wie es kommen musste: Ex-Borusse Ruschmann versenkte aus halbrechter Position mit seinem starken linken Fuß das Leder über die Mauer ins rechte obere Eck – 2:1, die erneute Führung für den TuS Herrensohr (55.).

Dabei hatten die Borussen in Halbzeit eins gleich mehrfach die Führung „auf dem Schlappen“: Tim Klein prüfte den Ex-Borussen Jonas Merhej im TuS-Tor zuerst per Kopf (13.), zielte später, schön freigespielt von Kristof Scherpf rechts am Tor vorbei (26.). Kristof Scherpf selbst hatte nach 40 Minuten die dickste Gelegenheit, als er Jonas Merhej bereits umspielt hatte, dann aber an Abwehrspieler Alexander Ernst scheiterte, der das Leder im letzten Moment von der Linie kratzte (40). Herrensohrs Führungstreffer fiel drei Minuten später geradezu aus dem Nichts, als Manuel Schuck nach einer Hereingabe von der rechten Seite den Ball zwischen den Abwehrbeinen der Borussen hindurch mit der Spitze ins Tor drückte. Kurz vor der Pause hätte der Toptorjäger der TuS fast noch nachgelegt, traf jedoch nur die Latte. Dennoch darf die Führung der Gastgeber hinsichtlich der Torchancen und Spielanteile insgesamt durchaus als glücklich gewertet werden. Die Chancenverwertung hatte sich auf Borussen-Seite als Problemzone erwiesen.

„Wir liegen zwar zurück und sind in Unterzahl, doch haben bisher ordentlich gespielt, die Partie weitgehend dominiert und wollen deshalb weiter mutig auftreten.“ Mit diesen Worten schickte Björn Klos seine Schützlinge zurück auf den Rasen. Gesagt, getan! Schon nach 48 Minuten belohnten sich die Borussen und kamen durch Tim Klein zum hochverdienten Ausgleich: Borussias Stürmer netzte das Leder, das ihm nach einer per Kopf abgewehrten Hereingabe von Nyger Hunter vor die Füße gefallen war, trocken ein. Dass die Gastgeber dann wieder schnell in Führung gingen, war letztlich der Genickschlag für tapfere Borussen. „Dabei war ja eigentlich nach dem 2:1 noch nichts passiert, wir hatten noch Zeit genug zurückzukommen. Dass wir dennoch drei weitere Treffer kassiert haben, werden wir am Dienstag im Training zu analysieren haben. Da müssen wir uns hinterfragen“, so Björn Klos, der mitansehen musste, wie seine Mannschaft es Herrensohr mit Ballverlusten im Spiel nach vorne allzu leicht machte. Diese Einladungen nahm der routinierte Gegner, der mit schnellen Akteuren auf Konterchancen regelrecht lauerte, durch Manuel Schuck (69.), Jannik Kurz (77.) und Christopher Dahl (82.) dankend an. Da nutzte es dann auch nichts mehr, dass der Borussen-Coach mit Kamil Czeremurzynski und Vincenzo Accursio frische Kräfte eingewechselt hatte, um einerseits das Zentrum zu stärken und andererseits der Offensive neue Impulse zu verleihen. Positiv: Borussia gab sich bis zum Schluss nicht auf, hatte durch Kamil Czeremurzynski (73.), Vincenzo Accursio (84.) und Marco Dahler (87.) immer nochmal die Möglichkeit, das Resultat zu korrigieren.

Letztlich jedoch endete der trübe Sonntagnachmittag für die Borussen mit einem bitteren Nachgeschmack. Bleibt zu hoffen, dass der goldene Oktober nicht in einen November-Blues ausmündet, wie es in der letzten Saison war, als Borussia nach einem ebenfalls sehr erfolgreichen Herbst und der Annäherung an die Tabellenspitze in den letzten vier Spielen vor der Winterpause nur noch zwei Punkte und keinen Sieg mehr erringen konnte. Ausgangspunkt war eine 0:2-Niederlage – in Herrensohr. (-jf-)

Unsere Bilder vermitteln Eindrücke vom Spiel der Borussia beim TuS Herrensohr. (Fotos: Rainer Hoffmann)

Borussia in der Statistik:

Unsere Mannschaft: Philippe Persch – Nino Kannengießer, Christoph Stemmler, Jan Luca Rebmann (ab 58. Kamil Czermurzynski), Marco Dahler, Tim Braun, Nyger Marley Hunter, Daniel Schlicker (ab 80. Tim Cullmann), Julian Flammann, Kristof Scherpf, Tim Klein (ab 65. Vincenzo Accursio). – Unser Trainer: Björn Klos.

Tore: 1:0 Manuel Schuck (43.), 1:1 Tim Klein (48.), 2:1 Daniel Ruschmann (55.), 3:1 Manuel Schuck (69.), 4:1 Jannick Kurz (77.), 5:1 Christopher Dahl (82.). – Schiedsrichterin: Maria Steinmann-Scholz (St. Ingbert). – Zuschauer: 150. – Gelbe Karten Borussia: Julian Flammann (35.), Daniel Schlicker (70.) – Gelb-rote Karte Borussia: Julian Flammann (37.).

2 Kommentare

  1. Wir, Johannes und ich, Leo, glauben fest daran, dass in diesem Jahr aus dem Novemberblues eine November-Freude-Symphonie wird, wenn die Spieler und das ganze Umfeld die dafür nötige Freude ausstrahlt. Lächeln. lächeln, lächeln und nie aufhören, positiv zu denken und vor allem zu handeln. Das gilt für alle, die ein Herz für die Borussen haben. Unser Wölkchen wird wackeln, wenn wir beim bevorstehenden Spiel gut spielen und gewinnen. Nix wie los!

  2. Ich habe ein bisschen geweint, wegen „HUNT“. Ich weiß, es ist sentimental, empfindsam, rührselig, aber zu allen Dreien stehe ich mit vollem Herzen, weil sie alle Drei das gleiche bedeuten. Dort, wo man früher arbeitete bis zur Aufgabe, schwarz vor Kohlenstaub und keuchend nach Atem, verausgaben sich heute und von Woche zu Woche in relativ guter Luft die Fußballspieler der Borussia Neunkirchen. Ich glaube, sie sollten sich -und wenn auch ganz kurz- verbeugen vor „HUNT“ und wissen, dass sie ihm und seinen Betreibern verdanken, dass sie heute spielen dürfen -und wenn möglich gewinnen!

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