In memoriam: Dietmar Schwager †

Ein kleiner Rückblick auf eine erfolgreiche und turbulente Zeit der Borussia unter einem kämpferischen und charakterstarken Trainer

Unser Bild: Dietmar Schwager (mittlere Reihe rechts) war zwei Jahre lang Trainer der besten Saarlandliga-Mannschaften die Borussia je hatte, und führte die Borussen 1978 in die 2. Liga Süd. (Foto: Mythos Ellenfeld – 100 Jahre Borussia Neunkirchen).

Von Jo Frisch

Dietmar Schwager ist tot. Der ehemalige Trainer der Borussia starb im Alter von 78 Jahren an einem Herzinfarkt im Kaiserslauterer Stadtteil Dansenberg, wo Schwager mit seiner Familie ansässig war. Der Tod kam plötzlich und unerwartet. „Seine Frau backte am Dienstag Plätzchen, als der `Dittes´ sich aufs Fahrrad schwang – nichts deutete auf das jähe Ende eines erfüllten Lebens hin. Er kam heim, stellte das Rad ab und starb“, heißt es im Nachruf von Hans-Joachim Redzimski und Horst Konzok in der „Rheinpfalz“.

Als Spieler war Dietmar Schwager eine Institution und Identifikationsfigur beim 1. FC Kaiserslautern, dessen Amateure er nach Beendigung seiner aktiven Karriere trainierte, ehe er von 1976 bis 1979 im Ellenfeld tätig war. Anschließend arbeitete er als Co-Trainer unter seinem alten Lehrmeister aus Lauterer Zeiten, Gyula Lorant, beim FC Schalke 04, wurde fünf Monate später sogar dessen Nachfolger, aber im Frühjahr 1980 nach einer Misserfolgsserie wieder entlassen. Nach einem nochmaligen Engagement bei den FCK-Amateuren trat Schwager 1991 als Trainer ab, arbeitete als Repräsentant einer Firma für Bürotechnik und führte mit Ehefrau Gerlinde eine Lotto-Annahme in der Kaiserslauterer Innenstadt.

Wie sein Spielausschuss-Vorsitzender in Neunkircher Zeit, Günter Kuntz, hatte auch Schwager beim VfR Kaiserslautern auf sich aufmerksam gemacht, bevor er vom Erbsenberg auf den benachbarten Betzenberg zum großen 1.FCK wechselte. Zwölf Jahre trug er das Trikot der Roten Teufel, absolvierte 320 Bundesligaspiele, war Kapitän und Leitfigur. Mehr Bundesligapartien als Schwager bestritt für den FCK nur Werner Melzer (374).

Nach einem Trainerjahr bei den FCK-Amateuren heuerte Dietmar Schwager im Sommer 1976 (als 17. Borussen-Trainer seit 1945) im Ellenfeld an, wo er den Dudweilerer Stefan Abadijev ablöste. Borussia hatte gerade in einer enttäuschenden Aufstiegsrunde (gegen Eintracht Trier und Wormatia Worms) den so sehnlich erhofften Sprung in die zweite Liga verpasst. Mit sieben neuen Spielen gehen Trainer Schwager und sein neuer Spielausschuss-Vorsitzender Günter Kuntz in die Spielzeit 1976/77 mit dem erklärten Ziel, im zweiten Anlauf den Aufstieg ins Bundesliga-Unterhaus zu schaffen. In der Amateurliga Saar haben die Borussen das Heft sicher in der Hand, mit 111:27-Toren und 55:13-Punkten wird ganz souverän der Titel errungen. Doch die Aufstiegsträume platzen im allerletzten Spiel der Qualifikationsrunde bei einem mehr als bitteren 0:3 in Worms – schon eine Niederlage mit zwei Toren Unterschied hätte genügt, um das Ziel zu erreichen! Doch Dietmar Schwager lässt sich nicht entmutigen und bringt seine Schützlinge erneut in Schusslaune, die in der nächsten Saison wieder über 100 Tore schießen und unangefochten Saarlandmeister werden. Diesmal klappt auch der Sprung in die zweite Liga, Borussia gewinnt das entscheidende Spiel vor 12.000 Fans im Ellenfeld mit 2:0 gegen Rheinlandmeister TuS Neuendorf. 226 Treffer und 117 Punkte in zwei Jahren Saarlandliga (damals die 3. Liga!) – eine imponierende Bilanz, die nach Dietmar Schwager kein anderer Borussen-Trainer je wieder erreichte!

Auf Schwager und Borussia wartet eine turbulente Zweitliga-Spielzeit zwei Spielwiederholungen. Von Beginn an geht es nur um den Klassenerhalt. Nach gelungenem Saisonstart geht es im Herbst 1978 bergab. Auch der neu verpflichtete Ex-Nationalspieler Ferdi Keller kann die Kohlen nicht mehr aus dem Feuer holen. Sein Einstand gegen die Stuttgarter Kickers sorgt bundesweit für Aufsehen, als das Phantomtor von „Dixie“ Kobel (seinen Schuss an die Haltestange des Tornetzes sieht der Unparteiische versehentlich im Tor) nach der Entscheidung des Sportgerichts zur Spielwiederholung führt. Borussia, die das erste Spiel mit 4:3 gewonnen hat, verliert die Neuauflage mit 0:1. Wenig später muss auch das Derby gegen den 1.FC Saarbrücken wiederholt werden: Ein Hundebiss, der Saarbrückens Außenstürmer Unger nach 60 Minuten beim Stande von 2:1 für Borussia zum Ausscheiden zwingt (Schlagzeile: „Hunger auf Unger!“), liefert den Gästen einen Grund zum Protest, der erneut angenommen wird. Die Borussen siegen beim zweiten Spiel zwar mit 1:0, doch das Wiederholungstheater geht an Nerven und Substanz der Spieler. „Plötzlich läuft nichts mehr. Selbst mit Keller geht es in den Keller. Trainer Schwager nimmt seinen Hut. Herbert Binkert übernimmt in aussichtsloser Position das Ruder. Auch er kann die Mannschaft nicht mehr retten“, heißt es in Borussias Chronik zum 100jährigen Jubiläum. Es gilt Abschied zu nehmen von der 2.Liga.

Dietmar Schwager war im Ellenfeld leider kein glückliches Ende vergönnt. Dabei hat er auch während seiner Arbeit bei Borussia stets das an den Tag gelegt, was ihn schon als Spieler in Kaiserslautern auszeichnete: Teamgeist, Fairness und der unbeugsame Kampfeswille, immer sein Bestes zu geben und Spiele zu gewinnen. „Er hat sich immer reingehauen“, betont Fritz Fuchs, der mit Schwager beim FCK in einer Mannschaft spielte. Ganz oder gar nicht – halbe Sachen mochte Schwager nicht, weder als Spieler noch als Coach. „Einer, der seine Arbeit im besten Sinne des Wortes gemacht hat. Einer ohne große Worte. Manchmal ein harter Hund, in jedem Fall aber ein feiner Mensch, offen und ehrlich.“ Diesen Worten am Ende des „Rheinpfalz“-Nachrufs ist nichts hinzuzufügen.

Dietmar Schwager wird in der Trainer-Historie der Borussia immer einen bedeutsamen Platz einnehmen. Borussias Mitgefühl gilt seiner Frau, seinen Töchtern und der Familie. Danke für fast drei Jahre Engagement im Ellenfeld, „Dittes“ – ruhe in Frieden!

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